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STADTTEILSANIERUNG

Bürgerbeteiligung in den späten 80er Jahren!

Ein Besuch bei der Soziologin Gerda Zeuss, Initiatorin und Begleitung der Stadterneuerung Gostenhof? 

 

„Früher haben wir die Oberpfälzer integriert, jetzt die Türken“

 

Schon lange war Gostenhof problematisch und hatte einen hohen Ausländeranteil. Die größte Gruppe stellten GriechInnen, gefolgt von ItalienerInnen und TürkInnen. Als dann Langwasser gebaut wurde, galt es als schick, dort zu wohnen. In der Folge zogen sozial Schwächere nach Gostenhof nach. 

Nürnberg hat sich 1980 erfolgreich um Fördermittel des Bundesprogramms für experimentellen Wohnungs- und Städtebau beworben. Frühere Projekte, wie z. B. in Bleiweiß, hatten lange Verfahren, Widerstände und Zwangsenteignungen zur Folge. Deshalb sollte in Gostenhof eine sog. „vereinfache Stadterneuerung“ erfolgen. Das Besondere war die Mitwirkung „von unten“. Alle MieterInnen, Eigentümer und Betroffene wurden nach ihren Wünschen befragt und eingebunden. Die Stadt bot mehrsprachige Informationsveranstaltungen an und viele Eltern erreichte Zeuss über die Kinder. Mit ihrem Nachnamen (Zeuss) waren die Griechen besonders leicht zu überzeugen.

 

Der Stadtrat war sich bewusst, dass unkonventionelle Wege gegangen werden sollten und unterstützte überraschenderweise viele verrückte Ideen, u. a. von dem Münchner Planungsbüro Grub mit seinem Sitz über der Planungskneipe.

 

Ziel des Projekts war die Wohnungsmodernisierung und die Wohnumfeldverbesserung. Viele Wohnungn hatten kein Bad oder Innentoilette und Holzheizung. Die meisten Wohnbaugenossenschaften lehnten eine Unterstützung ab, 

u. a. weil sie auf einem Ausländeranteil von maximal 10 Prozent bestanden. Getraut hat sich nur die Baugenossenschaft „Selbsthilfe“ in der Austraße, die aus der Katholischen Arbeiterbewegung stammt. Zur Finanzierung konnten auch Eigenleistungen eingebracht werden. Eine besondere Herausforderung war, dass die Sanierung im bewohnten Zustand erfolgte, da die BewohnerInnen einen Umzug in ein Hotel ablehnten.

 

Gegen die Pläne der Stadt entschieden die MieterInnen, dass die Hinterhäuser nicht abgerissen werden. Kinder fotografierten die Stellen, die sie nicht mochten, nebst Hundehaufen und Falschparkern. Das Stadtteilbüro, dass sich über der Planungskneipe befand, war immer gut besucht.

 

Die konkreten Baumaßnahmen begannen mit Deutschkursen in den Häusern, die vom Ausländerbeirat finanziert wurden. Auch eine Bauaufsicht wurde gesondert finanziert, was zum Gelingen beitrug. Für die beteiligten Firmen war es erstmal eine große Umstellung, mit Laien zu arbeiten, aber nachdem der oberpfälzer Kapo zum „Selbsthilfeanleiter“ befördert wurde, klappte es immer besser.

 

Ausnahmsweise war die Genossenschaft bereit, Einzelmitgliedschaften zuzulassen und ermöglichte damit den Bewohnern eine Chance auf Wohneigentum, das sie sonst nie erreicht hätten. Die meisten TeilnehmerInnen blieben über Jahrzehnte in ihren Häusern. Manche Karriere startete damals als Kind in der Austraße. Seinerzeit hatten sie Fotos von Hundehaufen ausgestellt und jetzt waren sie erfolgreiche Unternehmer im In- und Ausland.

 

Mit dem Verein „Umbruch Gostenhof“ wurden drei getrennt stehende Häuser den Mietern zum Kauf und zur Sanierung angeboten. Mittels Erbbaurechtsverträgen und Klauseln wurden Spekulationen verhindert. Der Verein - eine Genossenschaft fand sich nicht - kaufte die Häuser von der Stadt und die Mieter konnten die Wohnungen erwerben. Der Erbbauzins war sogar 50 Pfennig pro Quadratmeter billiger als die bisher gezahlte Miete. Zu Anfang gab es erhebliche Probleme unter den Volksgruppen, aber durch die Zusammenarbeit im Verein konnten alle gelöst werden. Jeder Eigentümer erhielt 10.000 DM für die Sanierung, verwaltet von dem Evangelischen Siedlungswerk. Das Projekt wurde evaluiert und vom Ausland interessiert beobachtet.

 

Fazit ist, dass gerade Investitionen ganz zu Anfang, sich „rechnen“ und die Bewohner eine höhere Bildung erreichten, nicht arbeitslos wurden, binationale Ehen geschlossen  und eine Ghettobildung verhindert wurden.

 

Kinder vertteilten Knöllchen

 

1986 begann eine erneute Diskussion, diesmal wollte man eine „Ökologische Stadterneuerung“ starten. Anders als in Gostenhof-West, waren jetzt die Mieten in Gostenhof-Ost relativ hoch wgen der Zentrumsnähe. Eine Finanzierung wie beim früheren Projekt war also nicht möglich. Die Südstadt lehnte das Programm ab, da die Eigentümer eine gedeckelte Miete nicht akzeptierten. Gostenhof-Ost war das verdichtetste Gebiet in ganz Nürnberg und für Kinder sicher nicht schön.

 

Eine Chance bot die Fabrik Linde, die 1983 geschlossen wurde. Das Rückgebäude wurde abgerissen und ins denkmalgeschützte Verwaltungsgebäude kam das Organisationsbüro für die Programmplan von Gostenhof-Ost. Zur besseren Unterstützung für die Arbeit mit den Kindern wurde der Verein „Asphaltkinder“ gegründet. Für den freien Platz der Fabrik erhielten die Kinder 60.000 DM, um ein Hüttendorf nach ihren Wünschen zu bauen. Sie übernachteten auch z. T. dort, weil sie den Erwachsenen nicht trauten. Neben dem Fabrikseingang stand ein Baum, den die Kinder vehement verteidigten. Der Neubau musste 2 Meter weichen und der Baum steht noch heute „im Weg“. Auch hier wurden die Betroffenen Beteiligte. Die Kinder trugen ihre Anliegen im Stadtrat vor und verwarnten Falschparker mit eigenen Bußgeldbescheiden. 

 

Auf dem Schulhof der Knauerschule, auf dem die Lehrer parkten, sollte eine Turnhalle gebaut werden. Die Eltern der Asphaltkinder stellen sich quer, kippten den Stadtratsbeschluss und der Schulhof blieb erhalten. Ein Kind wurde in der Hessestraße angefahren, was dann dank großem Protest zur Verkehrsberuhigung führte.

 

Neurosenbunker

 

Ein weiteres Projekt war die „Wohnblock-Nachbarschaft“ mit dem Verein „Hallo Nachbar“. In der Gostenhofer Hauptstraße 57 schlossen sich die Anwohner zusammen, um ihre Hinterhöfe zusammenzulegen. Das ging nicht immer glatt und und eines Morgens las man gegenüber am Haus „Neurosenbunker“. Unterstützt wurde das Projekt vom Evangelischen Siedlungswerk und dem Verein „Ideal“. Dieser erhielt 150.000 DM und mit viel Eigenleistung wurde ein schöner Innenhof gestaltet. Das Geheimnis war, den Menschen Verantwortung zu übertragen und eine Eigenbeteiligung zu ermöglichen.

 

Auf Fragen ging Zeuss noch gerne ein: 

Die Kleinunternehmer wurden wie die Eigentümer eingebunden. Es gab hier Konflikte, weil der Hinterhof Kundenparkplatz sein sollte.

Die Oberste Baubehörde in Bayern gab zusammen mit dem Sozialministerium auch ein Broschüre „Grün für unsere Kinder“ heraus. Der Trick war, die Kommunen mit Förderzuschüssen zu ködern.

 

IN DER LINDE FABRIK ENTSTAND U. A. DAS MUSEUM IM KOFFER UND FRANKENSOLAR.

 

Der Verein Asphaltkinder wurde 1999 aufgelöst, da der Nachwuchs fehlte. Grundsätzlich ist dies heute ein Problem, die Menschen haben sich verändert. Auch die Stadtteilkoordinatorin arbeitet nicht direkt mit der Bevölkerung zusammen, sondern ist mit anderen Einrichtungen vernetzt, was durchaus sinnvoll ist.

 

Wenn man heute wieder etwas für Gostenhof tun will, muss der Weg über den Stadtrat gehen. Am besten lässt man sich zum Sanierungsgebiet erklären, wie in St. Leonhard, das das schon zweimal geschafft hat. Heutiges Programm wäre „Stärken vor Ort“, das auch EU-Gelder verteilt, früher war dies L.O.S. Wichtig ist es, einen Verein zu gründen, um erst genommen zu werden. Dann müssen Sanierungstatbestände gesammelt werden.

 

Interessant sind auch www.SozialeStadt.de, www.spielen-in-der-stadt.de und 

http://www.stmi.bayern.de/bauen/wohnungswesen/ im Rahmen des experimentellen Wohnungsbaus. Derzeit betreut Zeuss „anders Wohnen“ in Fürth, unterstützt vom Bayrischen Netzwerk Wohnprojekte. Siehe auch EU-Ziel „Lebenswerte Stadt“.

 

WEITERE IDEEN: 

Geschwindigkeitsmessgerät „Sie fahren...“ leihen, mieten oder kaufen für 10-km-Zone.

 

Die Annahmen zum Ziel- und Quellverkehr können mit anderen wissenschaftlichen Lehrmeinungen auch widerlegt werden.

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