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GENTRIFIZIERUNG

Gentrifizierung in Gostenhof? 

 

Ob die Mieten anläßlich solcher Malaktionen jetzt wohl sinken, ist kaum zu glauben. Auch wenn sowas meist nicht gut ankommt, ja dem eigentlichen Anliegen in der Öffentlichkeit schadet, wird auf eine Entwicklung hingewiesen, die auch in Gostenhof zunehmend zum Problem wird: Die sogenannte Gentrifizierung, das heißt auf fränkisch die Verdrängung von Menschen mit geringem Einkommen aus günstigen Wohnungen zugunsten von Besserverdienenden, die sich teurere Wohnungen leisten können. Diese entstehen entweder durch Neubau oder durch aufwändige Renovierungen bestehender Wohnungen. Es liegt in der Natur der bestehenden Wirtschaftsordnung, dass Bauträger oder Haus- bzw. Wohnungsbesitzer in der Regel bei Neubau oder Renovierung nicht nur ihre Unkosten decken wollen, sondern durch entsprechend hohe bzw. höhere Mieten einen größeren Profit herausschlagen wollen. Ansonsten würden sie entweder gar nicht oder nur sehr beschränkt investieren. 

Deshalb sind hier gesetzliche Eingriffe bzw. Maßnahmen erforderlich wie z.B. Mietobergrenzen, die Verhinderung von Luxusrenovierungen, eine Reglementierung der Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen, eine stärkere Begrenzung der Umlagekosten bei energetischer Sanierung wie z.B. durch steuerliche Maßnahmen an Stelle unangemessener Mieterhöhungen, eine  stärkere Unterstützung der Kommunen bei den Wohnungszuschüssen und eine Neuauflage des von Bund und Land zurückgefahrenen „sozialen Wohnungsbaus“ mit einem Verbot, die Wohnungen nach Beendigung der Förderphase rücksichtslos zu den teilweise exorbitanten Marktpreisen vermieten zu können: das heißt, eine langfristige Sozialbindung muss angepeilt werden.

Hier sind nicht nur die Kommunen sondern vor allem das Land und der Bund in der Pflicht. Die Schwarz-Gelben handeln in erster Linie nur nach den Interessen ihrer gutverdienenden Klientel. 
Eine wirtschafts-liberale Marktpolitik im Wohnungssektor führt hier zu unsozialen Ergebnissen. Menschenwürdiges und bezahlbares Wohnen muss als Grundrecht respektiert werden.

 

Johannes Potschka

 

                                                                                  

Was kann die Politik tun?

Politische Rahmenbedingungen für eine sozialgerechte Stadtentwicklung ohne Verdrängung

 

Für das Ziel heterogener Stadtteile ohne Verdrängungsprozesse müssen 

die politischen und planerischen Rahmenbedingungen geschaffen werden. 

Hierfür muss sich grüne Politik einsetzen, in der Kommune, im Land 

und im Bund. 

 

• Stärkung und Wiederankurbelung des sozialen Wohnungsbaus

 

• Miet- und Belegungsbedingungen für Eigentümer bei geförderten 

   Maßnahmen

 

• Quotierung sozialen Wohnungsbaus bei allen Wohnungsbaumaßnahmen      (Beispiel München)

 

• Begrenzung von Mietsteigerungen über adäquate gesetzliche Regelungen

 

• Schutz vor Luxussanierungen und Verdrängung über kommunale 

   Erhaltungssatzungen (auch Landesbaurecht)

 

• Verkauf von städtischen Grundstücken nicht nach höchstem Gebot 

   sondern nachhaltigstem Konzept

 

• Keine Hochglanz-Vermarktung vom „Flair“ in entsprechenden Stadtteilen 

   im kommunalen Stadtmarketing

 

• Aufklärung und Kompetenzstärkung (rechtlich, sprachlich) von Mietern, 

   z.B. WG-Bewohnern (gleicher Vertrag und gleiche Miete bei Mitbewohner-

   wechsel) und von Migrantenhaushalten gegenüber Eigentümern

 

• und nicht zuletzt das Ziel der Teilhabe und Chancen für jede und jeden und 

   eine faire Verteilung von Gütern und Wohlstand, um damit die Situation 

   derer zu verbessern, die dem Druck der Stadtentwicklung ausgesetzt sind.

 

Diese Liste steht nur beispielhaft für die teils arg unausgeschöpften 

gestalterischen Möglichkeiten von Politik und Verwaltung, ist erweiterbar 

und noch diskussionswürdig. 

 

 

Wohnentwicklung ohne Verdrängung

zwei Veranstltungen - ein Thema

 

Zwei Podiumsdiskussionen haben sich in den vergangenen Wochen gewollt bzw. ungewollt mit dem Thema Gentrifizierung befasst: „Wem gehört die Stadt?“, organisiert durch den Medienladen Nürnberg in Kooperation mit der Petra-Kelly-Stiftung mit den Referenten A. Holm (Wissenschaftler und „Gentrifizierungsgegner“) und S. Dengler (Leiter Stadtplanungsamt Nürnberg), und „Selfmade City - Stadtgestaltung und Wohnprojekte in Eigeninitiative - Eine Chance für Nürnberg?“, organisiert vom Stadtplanungsamt der Stadt Nürnberg, hierbei als Referenten zwei Berliner Architekten. 

Bei der erstgenannten Veranstaltung sind der Vertreter der Kritik und der Vertreter der kommunalen Planung thematisch zu weit auseinander, um in eine wirkliche inhaltliche Diskussion zu gelangen. Dies kann als allgemeines Beispiel für die Auseinandersetzung mit dem Themenfeld dienen und zeigt das Dilemma: Die Kritik an Gentrifizierung stellt oft eine sehr fundamentale Kritik an der Dynamik von Städten dar. Städte sind aber per se Orte des Wandels. Wichtig wird jedoch sein, Veränderungen mit adäquaten Rahmenbedingungen zu regulieren ohne reflexartig jede Veränderung bekämpfen zu wollen. Die andere Seite, kommunale Planung, Verwaltung und Politik, kommunal wie national, agieren ihrerseits aber maximal nach dem Motto „sie waren stets bemüht“: Das Problem der Verdrängung beispielsweise wird erkannt und als negativ bewertet., die Umsetzung möglicher Gegenmaßnahmen aber stockt. Oder, noch gravierender, Beschlüsse beschleunigen Gentrifizierungsprozesse sogar, Stichwort Verkauf öffentlicher Wohnungsgesellschaften.

Die letztgenannte Veranstaltung wurde interessanterweise weder vom Veranstalter, noch von den Referenten noch vom Auditorium als politische Veranstaltung im Sinne der aktuellen Debatten wahrgenommen. Dabei zeigten die Beispiele aus Berlin sehr „schön“: auch gemeinschaftliches Bauen kann zu kritisierbaren Veränderungen in der Stadt führen. Die Entwicklung von lebendigen Berliner Stadtteilen mit heterogener Einwohnerstruktur zu homogenen Hochglanz-Quartieren ist bekannt. Bizarr: Hier fiel der Begriff des „sozialen Bauens“ nicht im Bezug auf Sozialen Wohnungsbau für einkommensschwache Bevölkerungsanteile, sondern im Bezug auf die (soziale) Interaktion der neuen (einkommensstarken) Bauherren und Bewohner untereinander innerhalb ihrer neuen Wohnkomplexe, die kritisierbaren Veränderungen in der Stadt führen. Die Entwicklung von lebendigen 

Berliner Stadtteilen mit heterogener Einwohnerstruktur zu homogenen Hochglanz-Quartieren ist bekannt. Bizarr: Hier fiel der Begriff des „sozialen Bauens“ nicht im Bezug auf Sozialen Wohnungsbau für einkommensschwache Bevölkerungsanteile, sondern im Bezug auf die (soziale) Interaktion der neuen (einkommensstarken) Bauherren und Bewohner untereinander innerhalb ihrer neuen Wohnkomplexe.

Dennoch kann und darf eine neue Durchmischung der Bevölkerung in Stadtteilen auch nicht automatisch „verteufelt“ werden. Einkommensschwächere Stadtteile können vom Zuzug von Menschen aus anderen Stadtteilen auch profitieren. Wenn dieser Zuzug nicht zu einer flächendeckenden, unwiderruflichen Aufwertung führt, kann ein fruchtbarer Austausch in Gang kommen, über Ehrenamt, Nachhilfe, Straßenfest, deutsch/ethnische Vereine, uvm. So kann der sozialen Segregation in bestimmten Quartieren sogar entgegen gewirkt werden und die Stigmatisierung bestimmter Stadtteile lässt nach – mit allen Vorteilen für die Bewohner!

Ein „Recht auf Stadt“ haben letztlich alle Menschen, egal ob arm oder reich, Single oder Familie, arbeitslos oder Freiberufler, Stubenhocker oder Künstler, etc. Den Benachteiligten jedoch muss mit entsprechenden politischen und planerischen Rahmenbedingungen geholfen werden, ihren Platz in der Stadt zu erhalten und zu behaupten. 

Schauen wir auf Gostenhof: Unser Stadtteil unterliegt ebenfalls großen Veränderungen, ist jedoch weit von Verhältnissen wie im Hamburger Schanzenviertel oder im Prenzlauer Berg entfernt. Trotz der „Immobilienwellen“, die aus der Nordstadt über St. Johannis nach Gostenhof schwappen, können wir hoffen und gemeinsam drauf hinwirken, dass die Veränderungen nicht zu einer allgemeinen Verdrängung führen, sondern der Stadtteil als Ganzes inklusiver seiner alten Bevölkerungsstruktur weiterhin spannend bleiben wird.

(Bild: Berlin/ Kreuzberg, 2011)

Jan von der Heide

 

 

NEIN zu Verdrängung von MieterInnen

JA zu einem besseren Wohnumfeld

 

Im Bericht des Bayerischen Rundfunks in seiner Sendung Zündfunk wird der Zustand in Bezug auf Gentrifizierung analysiert. Uns Gostenhofer Grünen fehlt die differenzierte Betrachtung. Statt auf Fakten beruhten die Aussagen auf der persönlichen Wahrnehmung Einzelner.

 

Wir stellen dazu fest:

Gostenhof ist einer der ärmsten, kinderreichsten sowie am dichtesten besiedelten Stadtteile Nürnbergs. Bei den Stadtteilsanierungen in den 80er und 90er Jahren wurden viele Häuser bereits mit Beteiligung der BewohnerInnen saniert. Dennoch besteht Handlungsbedarf, besonders im äußersten Westen Gostenhofs.

 

Fakten statt Legendenbildung

"Gentrifizierung" ist durch die aktuelle, teils sehr emotionale, Diskussion in anderen Großstädten wie Berlin und Hamburg ein Begriff, der besonders spaltet und die Betroffenen in Täter und Opfer teilt. In Nürnberg fehlen die üblichen Indikatoren für Gentrifizierung wie z.B. die ausgeprägte Medien- und Modeszene. Hinzu kommt ein relativ geringer Anteil von Studierenden in der Stadtbevölkerung.

 

Wir sind gegen unbelegte Vorwürfe gegenüber Hausbesitzern, sondern wünschen uns den offenen Dialog. Wir unterstützen BürgerInnen, denen Gostenhof am Herzen liegt und die mit viel Mühe Häuser bewohnbar machen. Noch immer gibt es Wohnungen mit Toiletten im Hausgang und Häuser mit undichten Dächern. Auch zubetonierte düstere Hinterhöfe sind keine Seltenheit. Im ganzen Stadtteil fehlen Spielplätze und Grünanlagen.

Menschen, sie sich engagieren, als Langweiler abzustempeln liegt uns fern. Wir sind froh, dass AnwohnerInnen gewaltfreie, familienfreundliche Feste und Flohmärkte, aber auch Kneipenfestivals ehrenamtlich organisieren. Denn genau das gehört zur Vielfalt.

Und wir sagen klar: Wir wollen Wiesen statt Scherben. Daher unterstützen wir Guerilla Gardening, beispielsweise mit dem Verteilen von Saatbomben.

 

NEIN zu Verdrängung

Wir sehen im Moment (noch) keine Investoren, die Gostenhof luxussanieren wollen. Im Vergleich zu anderen Stadtteilen sind die Mieten hier vergleichsweise niedrig.

In diesem Jahr konnten geplante Stadthäuser in der Mittleren Kanalstraße mangels Interessenten nicht gebaut werden. Die Ansiedelung von Discountern wurde verhindert.

 

Natürlich gibt es einige wenige Ausnahmen besonders hochwertig sanierter Häuser. Aber hier handelt es sich in Gostenhof eindeutig um Einzelfälle.

Und wenn KünstlerInnen in das Viertel ziehen und leerstehende, kleine Läden, für die sich zum Teil keine Nutzung mehr gefunden hat, für ihre Arbeit und Ausstellung nutzen, ist das per se kein verurteilenswerter Sachverhalt. Auch KünstlerInnen erweitern das Spektrum eines Stadtteils, machen Gostenhof bunter.

Wir haben ein kritisches Auge darauf, wie sich die Lage weiter entwickelt.

 

Wir sagen NEIN zu:

- Aufkauf von Straßenzügen durch Investoren

- Unangemessenen Mietsteigerungen

- Flächenversiegelung

- Verödung durch Spielhallen und Wettbüros

 

JA zu einem besseren Wohnumfeld

Die ständig steigenden Heizkosten belasten gerade die mittellosen Familien. Energiekosten sind Schuldenfalle Nummer Eins. Deshalb braucht es energetische Sanierungen.

Wärmedämmung und Lärmschutz sind keine Luxussanierung, sondern ein Beitrag zur Kostenersparnis, Gesundheit und zum Klimaschutz.

 

Daher sagen wir JA zu:

- sinnvolle, energetische Sanierung durch BewohnerInnen und EigentümerInnen

- Schaffung von Grünflächen und Spielplätzen

- sichere Verkehrsführung mit Vorrang für FußgängerInnen und RadfahrerInnen

- alternative Finanzierungsformen für StadtteilbewohnerInnen z. B. über Genossenschaften und Wohnprojekte

- mehr sozialen Wohnungsbau

- Vielfalt von Gewerbe, Kunst, Kultur und Gastronomie

 

Wir wollen unsere Nachbarschaft und das Gemeinwesen erhalten und ein buntes, lebendiges und lebenswertes Gostenhof für alle.

 

 

Gostenhof, 13.10.2010 (einstimmiger Beschluss des Ortsverbandes Gostenhof) 

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